Verbund Intervention

CADIF

Verbesserung der Erkennung und Versorgung von Demenzen in der Hausarztpraxis – die evidenz-basierte Entwicklung einer komplexen Intervention

Pentzek M1, Wilm S1,2, Leve V1, Kuske S3, Gallrach F3, Bartholomeyczik S3,4, Abholz HH1, Vollmar HC1,2,3

Hintergrund

Hausärzte spielen eine zentrale Rolle in der medizinischen und psychosozialen Versorgung älterer Menschen. Sie sind Vertrauenspersonen in gesundheitlichen Belangen. Wenn im Falle von Gedächtnisstörungen überhaupt ein Ansprechpartner gesucht wird, dann ist es meist der Hausarzt. Zudem ist er aufgrund der speziellen Arzt-Patient-Beziehung in einer idealen Position, eine Demenz früh erkennen zu können und auch die (meist kleinen) Effekte einzelner Maßnahmen (z.B. Pharmakotherapie, Organisation von Betreuungs- und Angehörigen-gruppen) zu koordinieren und zu integrieren, um so kumulativ eine signifikante Verbesserung der Gesundheit und Lebenssituation von Patienten und Angehörigen erreichen zu können. Dennoch legen qualitative und quantitative Studien nahe, dass bei der Erkennung und Be-handlung einer Demenz sowie bei der Beratung und Unterstützung von betroffenen Patienten und Angehörigen Schwierigkeiten in der Hausarztpraxis bestehen.

Ziel

Bisherige Versuche, die Situation zu verbessern, konzentrierten sich oft darauf, Hausärzten mehr Wissen über Demenzen zu vermitteln – mit geringem Erfolg, was die Teilnahmeraten der Hausärzte als auch die Effekte auf die tatsächliche Versorgung angeht. Wissensvermittlung allein ist nicht ausreichend, um die Praxis zu ändern. Unser Ziel ist es, eine Intervention zu entwickeln und vorzutesten, die auf einem umfassenden Verständnis der hausärztlichen Einstellungen zu Demenzen, der hausärztlichen Situation sowie der darin auftretenden kognitiven, emotionalen und handlungsorientierten Barrieren basiert.

Methode

In einem mehrstufigen Prozess (Medical Research Council 2000) werden wir eine komplexe Intervention entwickeln:

Die erste Stufe ist die theoretische Rahmenbildung, die mittels zweier systematischer Litera-turrecherchen zu den hausärztlichen Einstellungen und zu bereits bestehenden Interventionen erfolgt. Dies bildet die Grundlage für das weitere Vorgehen. Die zweite Stufe ist die Mo-dellierung der Intervention in drei Schritten: Eine erste Version der Intervention wird in einem multiprofessionellen Team erarbeitet; diese wird in Fokusgruppen mit praktisch tätigen Hausärzten diskutiert; anschließend werden die Ergebnisse der Fokusgruppen für eine Revi-sion genutzt. In einem explorativen Pretest (Stufe 3) wird die überarbeitete Intervention in 10 Hausarztpraxen geprüft. Interviews mit den teilnehmenden Hausärzten sowie mixed focus groups werden durchgeführt. Die Fertigstellung des Designs für einen cRCT ist zudem der letzte Schritt innerhalb des beantragten Projekts.


1 Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Dusseldorf
2 Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke
3 Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE), Standort Witten
4 Department für Pflegewissenschaft, Fakultät für Gesundheit, Universität Witten/Herdecke