Verbund Parkinson

Die LANDSCAPE-Studie

Langzeitbeobachtung dementieller Symptome und cognitiver Parameter sowie Anwendbarkeit neuer prognostischer Marker bei der Parkinson-Erkrankung (LANDSCAPE)

PI (R. Dodel, Marburg; Thomas Klockgether, Bonn; Hans-Ulrich Wittchen, Dresden; Daniela Berg, Tübingen; Rüdiger Hilker-Roggendorf, Frankfurt; Elke Kalbe, Vechta/Köln; Martin Kronenbürger, Jörg Schulz, Aachen; Britt Mollenhauer, Kassel; Alexander Storch, Dresden;  Karsten Witt, Kiel )

Hintergrund

Die Parkinson’sche Erkrankung („Idiopathisches Parkinsons-Syndrom, IPS
“) wird über die auftretenden Störungen der Motorik, wie Tremor („Ruhezittern“), Bradykinese („verlangsamte Bewegungen“) und Rigor („Steifigkeit“) definiert. Von diesen werden die nicht-motorischen Störungen abgegrenzt, die autonome sowie häufig auftretende neuropsychologische bzw. psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten umfassen. Hierzu gehören u.a. Depression, Psychosen und kognitive Störungen bis zur Demenz. Das Vorliegen einer leichten kognitiven Störung (Parkinson´s disease – Mild Cognitive Impairment, PD-MCI) wird auf 26,7% geschätzt (1). Das Risiko an Demenz zu erkranken ist für Parkinson-Patienten 4-6-mal höher als in der Normalbevölkerung und führt zu einer verminderten Lebens­qualität. Die Punktprävalenz der Demenz beträgt 24-31 % (2). Für Deutschland  wurde erstmals im Rahmen der German Study on Epidemiology of Parkinson's Disease with Dementia (GEPAD)-Studie die Häufigkeit neuropsychiatrischer Syndrome in niedergelassenen Praxen erhoben (3). Die vorliegende LANDSCAPE-Studie erfasst erstmalig an einer großen Kohorte (> 700 Patienten) das Auftreten und die Häufigkeit neuropsychiatrischer Syndrome sowie den klinisch-neurologischen Langzeitverlauf bei Parkinson-Patienten, die in (Universitäts-) Kliniken betreut werden.

Gegenwärtig werden zwei klinische Krankheitsbilder – die Parkinson-Krankheit mit Demenz (PDD) und die Demenz vom Lewy-Körper-Typ (DLK) – unterschieden. Die beiden Krankheitsbilder werden klinisch aufgrund der zeitlichen Abfolge der kognitiven Störungen in Bezug zu den klassischen motorischen Kardinal­sympto­men der Parkinson-Erkrankung eingeteilt: Patienten mit einer DLK entwickeln die motorischen Parkinson-Symptome oftmals gleichzeitig oder innerhalb eines Jahres nach Auftreten der Demenz. Entwickelt sich die kognitive Störung  erst im Verlauf der Erkrankung und nach den motorischen Störungen, so spricht man von einer PDD.

Die LANDSCAPE-Studie soll durch den direkten Vergleich der IPS- und der DLK-Kohorten, die mit einer einheitlichen Testbatterie untersucht werden, die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Krankheitsbildern über die zeitliche Abfolge der Symptome hinaus ermöglichen.

Das Auftreten kognitiver Störungen führt in unterschiedlichem Ausmaß zu Leidensdruck bei den Erkrankten; kognitive Störungen haben einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und die Krankheits­prognose des Patienten. Aber auch für Angehörige und Pflegende stellen sie häufig eine große Belastung dar und beeinflussen auch deren psychische und körperliche Gesundheit negativ.

In diesem Projekt werden verschiedene Subprojekte durchgeführt, die alle zu einer besseren Charakterisierung von Parkinson-Patienten mit kognitiven Störungen bzw. DLK-Patienten führen sollen. Neben der Kohortenstudie, deren Ziel es ist eine bestehende, gut charakterisierte Kohorte von Patienten mit IPS ohne kognitive Störungen, PD-MCI und PDD über 24 Monate nach zu untersuchen, und durch eine neu zu rekrutierende Kohorte von Patienten mit DLK zu ergänzen, ist ein Bildgebungsmodul, ein genetisches / Biomarker-Modul sowie Module zur Evaluation der kognitiven Plastizität und der kognitiven Reserve integriert worden.

Die Ziele im Einzelnen:

  • Evaluation der vorliegenden Instrumente zur Vorhersage von Demenzen beim IPS
  • Entwicklung und Verlauf der Demenz bei Patienten mit PDD
  • Übergangswahrscheinlichkeiten von Patienten ohne Demenz zur leichten kognitiven Störung (PD-MCI)
  • Übergangswahrscheinlichkeiten von Patienten mit leichter kognitiven Störung (PD-MCI) zur Demenz
  • Bildgebung zur Charakterisierung der an den Patienten zu beobachtenden Veränderungen des Gehirns
  • Evaluation der Bildgebung zum Verlauf der kognitiven Störungen der PD-MCI bzw. PDD.
  • Bestimmung des prädiktiven Werts der kognitiven Reserve und kognitiven Plastizität für die Entwicklung und den Verlauf kognitiver Störungen (PD-MCI bzw. PDD)
  • Identifikation von Risikofaktoren für Demenz in der Altenbevölkerung und deren langfristige Prädiktion
  • Bestimmung und Vorhersage der Entwicklungsgeschwindigkeit des kognitiven und funktionalen Abbaus bei Demenzen
  • Vorhersage von Komorbidität und Mortalität bei degenerativer Demenz
  • Identifikation von Biomarkern bei PDD und PD-MCI.

Design: die LANDSCAPE-Studie

Im Rahmen des LANDSCAPE-Projektes wird eine bestehende, gut charakterisierte Kohorte von Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS) ohne kognitive Störungen (PD), mit leichten kognitiven Störungen (PD-MCI) sowie Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom mit Demenz (PDD) über 24 Monate zweimal nach untersucht. Zusätzlich wird eine ergänzende Kohorte von Patienten mit Lewy-Körper-Krankheit (DLK) aufgebaut. Auswahlkriterien für die Studienteilnahme waren/sind: Alter 45 bis 80 Jahre, Diagnose der Erkrankung nach validierten Kriterien (UK Brain Bank Kriterien für IPS; McKeith-Kriterien für DLK), keine Pflegeheimbewohner, keine nicht-einwilligungsfähigen Patienten bei Baseline.
Zur Baseline wurden insgesamt 693 Patienten mit IPS (PD, PD-MCI  und PDD) in die Studie eingeschlossen und untersucht. Dabei wurden die Patienten zu soziodemographischen Variablen und ihrer Anamnese befragt und eine klinisch-neurologische Untersuchung durchgeführt, die u.a. anhand des UPDRS die motorischen Defizite erhob. Mit einer aufwendigen neuropsychologischen Testbatterie wurden psychische, neuropsychologische und Verhaltensstörungen erhoben. Eine detaillierte Darstellung der Studie, die dem Aufbau der Kohorte von Parkinson-Patienten diente sowie deren Methodik, ist kürzlich publiziert worden (4). Im Rahmen der LANDSCAPE-Studie wird die Kohorte der Patienten mit IPS zweimal, jeweils im Abstand von 12 Monaten nachuntersucht. Die Kohorte der Patienten mit DLK wird rekrutiert, zur Baseline und nach 12 Monaten untersucht.

Zentrale Ergebnisse der Studienlaufzeit

Die Studie wird seit April 2011 vom BMBF gefördert. Studienspezifische Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor (Juli 2012). Eine erste Auswertung ist für Quartal 4/2012 angesetzt.